Wiederholt Dänemark das Wunder von 1992?

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Es war das Jahr 1992, als die dänische Nationalmannschaft sensationell die EM gewann. Jugoslawien wurde wegen des Bürgerkrieges ausgeschlossen und Dänemark rückte dafür nach. Die Dänen hatten lediglich zehn Tage Zeit sich auf das große Turnier vorzubereiten. Es wurde sich schon lustig gemacht, die Skandinavier würden früher zurückkommen als deren Postkarten. „Danish Dynamite” entwickelte sich zu einer richtigen Turniermannschaft und konnte Weltmeister Deutschland im Finale 2:0 besiegen. 20 Jahre später ist Dänemark immer noch die Mannschaft, die der Europameistertitel am wenigsten zugetraut wird. Bei den Buchmachern hat Dänemark zusammen mit Irland und Griechenland die höchsten Quoten. Doch irgendwie scheint sich der Underdog, auch aufgrund der überragenden Qualifikation, zum Geheimfavoriten zu entwickeln.

Im Gegensatz zu 1992, wo man hinter Jugoslawien die Qualifikation abschloss, qualifizierte man sich mit dem ersten Platz direkt zur EM, obwohl man Portugal und Norwegen in der Gruppe hatte. Portugal führte Langezeit die Tabelle an, bis es am letzten Spieltag zum Showdown kam. Beide Teams hatten die gleiche Punktzahl und trafen nun in Kopenhagen aufeinander. Dänemark musste aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gewinnen und besiegte die Portugiesen überlegen mit 2:1. Portugal musste also mit ihrer Millionentruppe in die Play-Offs, die sie anschließend erfolgreich bestanden. In der Gruppenphase treffen die beiden Mannschaften in der Gruppe B wieder aufeinander.

Das Dänemark sich in der Gruppe vor Portugal durchsetzen würde, hätte kaum einer geglaubt. Dass sich die Mannschaft von Trainer Morten Olson aber in der “Hammer”-Gruppe gegen Deutschland, Niederlande und Portugal behaupten kann, glauben ebenfalls wenige. Doch die Entwicklung der dänischen Nationalmannschaft unter Olson geht steil bergauf und in der EM-Quali hat man durchaus gezeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt.

Der 62-Jährige ist seit 2000 im Amt und führte die Mannschaft schon zu vier großen Turnieren. Morton Olson gilt als Verfechter der alten Schule und harter Hund. Die Spieler schätzen  ihn sehr, weil er immer fair mit ihnen umgeht. So sagt zum Beispiel der nicht berücksichtigte Torwart Thomas Sörensen: „Er ist ein toller Trainer, er steckt uns mit einem Enthusiasmus und einer Professionalität an, die er auch schon als Spieler gezeigt hat“. Auch der ehemalige Nationalspieler Stig Töfting äußerte sich kürzlich über den Coach: „Er ist noch immer ein Hardliner, aber auch er wurde über die Jahre etwas milder und relaxter. Davon profitiert er.“ Auf jeden Fall profitiert die Mannschaft von Olsons Spielidee. Gegen schwächere Mannschaften praktiziert sie ein auf Ballbesitz ausgelegtes Spiel. Gegen stärkere Mannschaften überlässt man dem Gegner die Initiative und versucht über Konter das Spiel zu gewinnen.

Das Markenzeichen der Mannschaft ist das Spiel über die Flügel. Sowohl bei der offensiven als auch bei der defensiven Taktik profitiert man von den schnellen Flügelspielern Dennis Rommedahl und Michael Krohn-Dehli. Im Zentrum spielen William Kvist und Christian Poulsen, die sehr laufstark sind und viele Lücken füllen. In dem 4-3-3 System übernimmt Mittelfeldtalent Christian Eriksen den offensiven Part. Mit 20 Jahren ist er der Hoffnungsträger der Nation. „An guten Tagen kann er den Unterschied ausmachen”, sagt Morton Olsen, und warnt: „Er ist noch jung, seine Schultern sind noch nicht so breit. In ein paar Jahren wird er noch weiter sein.” Trotzdem spricht einiges dafür, dass Eriksen ein Garant für den Erfolg sein kann. In seinen jungen Jahren zeichnet er sich schon durch eine extrem gute Handlungsschnelligkeit auf dem Platz, seine Beidfüßigkeit und sein teils unwiderstehlicher Zug zum Tor aus. In der abgelaufenen Spielzeit absolvierte er im Ajax-Trikot die meisten Spiele seiner Mannschaft. 2011 wurde er zum besten Nachwuchsakteur der Eredivisie gekürt. Doch man muss abwarten, wie so ein junger Spieler mit dem Druck umgeht und wie er sich präsentieren wird. Seine Hauptaufgabe ist es, mit seinen Pässen soll Stürmerstar Nicklas Bendtner zu füttern. Bendtner bringt schon seit ein paar Jahren gute Leistungen in der Premier League. Zwar ist er bei Arsenal nicht immer erste Wahl, trotzdem konnte er oft seine Leistungen unter Beweis stellen. Zuletzt spielte der 24-Jährige beim AFC Sunderland und konnte dort acht Tore erzielen.

Daniel Agger führt als Kapitän die Mannschaft auf das Feld (flickr.com:Steenman69)
Daniel Agger führt als Kapitän die Mannschaft auf das Feld (flickr.com: Steenman69)

Doch nicht nur in der Offensive, sondern auch defensiv ist Dänemark sehr gut aufgestellt. In der EM-Qualifikation kassierte man nur sechs Gegentreffer. Die Innenverteidigung bilden Simon Kjaer und Daniel Agger. Kjaer ist zwar ab und zu etwas wacklig, doch seine Qualität ist unbestritten. Ein absoluter Ausnahmespieler ist Daniel Agger, der beim Liverpool FC absolut etabliert ist. Er ist einer der Führungsspieler im Team und Olsons verlängerter Arm. Im Tor wird wohl aller Voraussicht nach Anders Lindegaard spielen. Lindegaard spielt beim englischen Rekordmeister Manchester United und ist ein sehr guter Ersatz, wenn nicht sogar der bessere Torwart. Für Sörensen, der wegen eines Trainingsrückstandes nicht nominiert wurde, rückt Kasper Schmeichel von Leicester City in das Team. Das könnte ein gutes Omen sein, denn Kasper ist der Sohn des ehemaligen dänischen Torhüters Peter Schmeichel, der 1992 bei der EM das Tor hütete.

Ob die Mannschaft genau 20 Jahre das Wunder wiederholen kann ist zweifelhaft. Doch ein größerer Underdog als 1992 zu sein ist sehr schwierig. Dänemark hat aber die Qualifikation souverän überstanden und könnte bei dieser EM durchaus für eine Überraschung sorgen. Über Dänemarks Chancen äußert sich der Coach folgendermaßen: „Wir haben nur Außenseiterchancen. Aber ein Spiel dauert 90 Minuten, und oft entscheiden Kleinigkeiten oder die Tagesform.” Mit einem 2:0 zuletzt gegen Australien zeigte man durchaus, was man drauf hat. Gleich im ersten Gruppenspiel gegen Niederlande wird sich zeigen, ob Dänemark sich gegen die Großen durchsetzen kann. Ein kleines Fünkchen Hoffnung gibt es auf jeden Fall im Lager der Dänen: „Wir hoffen, dass wir die Entscheidung beim letzten Spiel gegen Deutschland selbst in der Hand haben”, so Olsen.

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