Tony Jantschke: Unauffällig und trotzdem einer der Besten

Mönchengladbach

Tony Jantschke ist ein Spieler, den sich jeder Trainer gerne wünscht.  Jung, fleißig und gut. Er ist einer der wenigen „unauffälligen Arbeiter“  in der Bundesliga. Einer der nicht die Öffentlichkeit sucht, um auf sich aufmerksam zu machen. Einer der nicht drei Übersteiger im  Spiel braucht, um sich mit Lob und Aufmerksamkeit beschütten zu lassen. Tony Jantschke erledigt seine Arbeit in der Rechtsverteidigung so gut wie kaum einer in der Bundesliga. Trotzdem wirken seine Auftritte immer  „nur“ solide, sodass sie nicht genügend gewürdigt werden.

Jantschkes Weg in die Startelf

Tony Jantschke wechselte bereits mit 11 Jahren auf das Sportgymnasium Dresden. Er verbrachte fünf Jahre seiner Zeit in der Elbflorenz. Fußball spielte er in der Jugend des SC Borea Dresden, in der er eine wichtige Mentalität entwickelte: „Ich bin geprägt durch meine Zeit in Dresden. Wir hatten dort wenige gute Fußballer in unserer Mannschaft – sorry Jungs! – aber wir haben jeder für jeden gekämpft.“ Dieser unbedingte Willen zu gewinnen, obwohl man Qualitativ unterlegen ist, verfolgt ihn noch heute. In der Überraschungsmannschaft der Bundesliga ist Jantschke der beste Zweikämpfer. Mit 16 Jahren wechselte er dann in das Ausbildungsinternat von Borussia Mönchengladbach. In der Jugend spielte er unter anderem mit Patrick Herrmann und Marco Reus. Jantschke kam im Jugendbereich und in der 2.Mannschaft zum Einsatz, bis ihn Hans Meyer 2008 zum ersten Mal in der Bundesliga einsetzte. Wenige Zeit später unterschrieb er seinen ersten Profivertrag.  Obwohl er nicht der Torjäger in Person ist, steht Jantschke als drittjüngster Torschütze der Borussia in den Statistiken. Am 06.12.2008 schoss er sein erstes Bundesligator gegen Bayer Leverkusen. So plötzlich wie sein Erfolg unter Favre anfangen sollte, wäre seine Karriere fast schon vorher vorbei gewesen. Nach einem Mittelfußbruch 2010 hatte er es schwer den Anschluss wieder zu finden. „Es hat kein Hahn mehr nach mir gekräht“, sagte er in einem Interview. Doch er kämpfte sich wieder zurück und wurde unter Lucien Favre überraschend für den bis dahin gesetzten Publikumslieblings Tobias Levels aufgestellt. Er bildete fortan mit Martin Stranzl, Dante und Filip Daems einer der besten Verteidigung der Liga. Er spielte so gut, dass Levels zum Rivalen Düsseldorf flüchtete.

Ist Jantschke auch ein Kandidat für die EM 2012?

Jantschke zeigte im Laufe der Saison seine Zweikampfstärke, die ruhige und unaufgeregt Art am Ball und sein gutes Stellungsspiel. Er ist nicht der schnellste, jedoch zerstört er die meisten Dribblings gegnerischer Spieler. Eigentlich ist Tony Jantschke gelernter Mittelfeldspieler. In seiner Zeit in den Jugendmannschaften spielte er meist den Part als Sechser. Auf seiner Homepage www.tonyjantschke.de ist auch unter der Kategorie Position das Mittelfeld zu finden. Sein Lieblingsspieler ist Zinédine Zidane, wahrlich auch kein Rechtsverteidiger. Doch Lucien Favre hat ein Händchen für die Rechte Seite der Verteidigung. Schon in Berlin machte er den offensiven Łukasz Piszczek zum Rechtsverteidiger. Auch aus Piszczek ist einer der besten Rechtsverteidiger in der Bundesliga geworden. Wenn man Jantschke so spielen sieht, ist er auch gar nicht mehr wegzudenken aus der Mannschaft, die momentan um den direkten Championsleague-Platz kämpft. Vielleicht ist er auch ein Überraschungskandidat für Joachim Löw bei der kommenden EM. Deutschlands Schwachstelle ist die Rolle des Außenverteidigers und bis jetzt hat sich noch keiner, abgesehen von Philip Lahm, für einen Stammplatz empfohlen. Internationale Erfahrung kann Tony Jantschke genug vorweisen. Er durchlief ab der U-17 bis hin zur U-21 der Nationalmannschaft alle Mannschaften und lief fast immer als Kapitän auf. Es könnte gut möglich sein, dass Tony Jantschke der zweite David Odonker wird.

Entwicklungspotenzial ist aber noch vorhanden

Mit seinen 22 Jahren hat er aber noch viel Entwicklungspotenzial. Von sich selber aus sagt er, er würde gerne etwas schneller sein. Da er sich außerdem zunehmend auf seinen defensiven Part in der Verteidigung konzentriert, leidet sein Offensivspiel darunter. Nur ein Tor in dieser Saison konnte Jantschke auflegen. Das ist definitiv zu wenig für einen Rechtsverteidiger. Wenn Tony Jantschke noch mehr offensiv Vorstöße wagen würde, könnte es sein, dass er sich langfristig als bester deutscher Rechtsverteidiger etablieren könnte.

Gladbach profitiert von Jantschkes Unpopularität

Bis dato beträgt sein Marktwert drei Millionen Euro (laut transfermarkt.de), was wahrhaftig im Profisport keine Unsumme ist. Deswegen wäre es für Gladbach auch besser, wenn Jantschke so weiter spielt wie bis jetzt und keine große Begierde bei europäischen Topklubs weckt. Denn was wünscht man sich denn als Trainer nicht mehr, als einen talentierten, jungen Spieler, der nicht jede Woche auf den Titelseiten der Zeitungen zusehen ist. Der die Vorgaben des Trainers erledigt und zu einem der besten in Deutschland avanciert.

Artikelbildquelle: http://www.flickr.com/photos/maruebe/6445735315/

One comment to Tony Jantschke: Unauffällig und trotzdem einer der Besten

  • Lattenschuss  says:

    Ich muss echt sagen. Sehr guter Artikel. Mir fällt wirklich jetzt erst auf wie gut Jantschke eigentlich ist. Außerdem finde ich auch, dass er eine Option für Jogi wäre
    Und eure neue Webseite finde auch klasse. Die jetztigen Artikel, die Idee und das Design sind sehr erfrischen und gut.
    Weiter so! :)

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