Du wirst niemals alleine gehen

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You’ll never Walk alone. Du wirst niemals alleine gehen. Das ist das Motto des Liverpool FC. Es erklingt vor jedem Spiel in der Anfield Road und ist vielleicht die berühmteste Fußballhymne. Der Satz ist im Wappen verewigt. Wahrscheinlich traf dieser Spruch noch nie so zu, wie es in der letzten Zeit der Fall ist. Der Liverpool FC wartet nun seit 22 Jahren auf den Gewinn des Premierleaguetitels. Eine unglaublich lange Zeit für den Klub, der in diesem Wettbewerb schon 18-mal auf Platz eins landete und damit nur hinter dem Rivalen Manchester United steht. Viele Faktoren führten in Liverpool dazu, dass der Stadtnachbar aus Manchester sportlich wie finanziell an den Reds vorbei zog.

Seit knapp 20 Jahren konnten die Liverpoolfans keinen Meistertitel mehr feiern. Trotzdem stehen sie weiterhin hinter ihrem Team nach dem Motto: You'll never walk alone
Seit knapp 20 Jahren konnten die Liverpoolfans keinen Meistertitel mehr feiern. Trotzdem stehen sie weiterhin hinter ihrem Team nach dem Motto: You’ll never walk alone

Glorreiche Zeiten von 1959-1983

Im englischen Fußball ist die Persönlichkeit, die Aura, das Handeln des Teammangers das vielleicht Wichtigste, um eine erfolgreiche Mannschaft zu formen. Von 1959 bis 1983 hatte der FC Liverpool die zwei besten Trainer, die der Klub in seiner Vereinsgeschichte auf der Bank hatte. Mit Bill Shankly und Bob Paisley holte man in 16 Jahren ganze 27 Titel, 9 neun davon allein Meisterschaften. Die erfolgreichste Ära Liverpools fing mit Bill Shankly an. Die wichtigsten Tugenden, die die Mannschaft damals verinnerlicht hatten, waren Loyalität, Identifikation, Kampfgeist und Disziplin. Nicht umsonst erinnern sich die Fans bis heute sehr gerne an den ,,Spirit of Shankly”. ,,Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!”, sagte er damals und diese Aussage trifft auf die ganze Mentalität der Spieler zu. Aufopferungsvoll wurde in der Anfield Road gekämpft bis der Schlusspfiff zu hören war. All das vermisst der Liverpool Fan heutzutage an der Merseyside. Das zwei Trainer in einem so langem Zeitraum arbeiten bringt einen weiteren Vorteil mit sich: Kontinuität. Auch das lässt sich in den letzten Jahren schmerzlich vermissen.

Die Krise beginnt in den 90er

Nachdem Kenny Dalglish 1990 den letzten Meistertitel gewinnen konnte, herrschte in den darauf folgenden Jahren viel Hektik und Unruhe. Die Premier League wurde zur neuen Geldmaschine und Liverpool verzockte sich gehörig an ihr. Teammanager Graeme Souness kaufte zwischen 1991-1994 wahllos Spieler ein, worauf ein wirtschaftlicher Kollaps entstand. Ein Beispiel für die schlechte Transferpolitik ist der Spieler Dean Saunders. Mit drei Millionen Pfund war er damals der teuerste nationale Transfer. Ein Jahr später wurde er schon wieder mit einem hohen Verlust verkauft. Des Weiteren kamen in den Medien immer mehr Streitereien zwischen den Spielern und Souness ans Licht. Von einer systematischen und kontinuierlichen Arbeit konnte nicht die Rede sein. Den größten Patzer leistete er sich 1992, als er am Jahrestag der Hillsborough-Katastrophe in der verhassten Sun ein Interview gab. Seitdem ist er in Liverpool nicht mehr willkommen. Einzig die Förderung von Talenten kann man ihm gutschreiben. Fowler, Redknapp und McManaman schafften in seiner Zeit den Durchbruch. In derselben Zeit holte Sir Alex Ferguson 13 Spieler aus der eigenen Jugend hoch und schaffte damit langfristige Erfolge. In Manchester entwickelte sich ein Konzept, das bis heute andauert und weiter erfolgreich ist. Ein paar Jahre später sollte Barcelona mit dem Nachwuchskonzept sehr erfolgreich sein.

Gérard Houllier musste seine Trainerkarriere bei Liverpool wegen einer Krankheit beenden.
Gérard Houllier musste seine Trainerkarriere bei Liverpool wegen einer Krankheit beenden.

Bessere Zeiten werden durch eine Krankheit getrübt und gebremst

1994 begann bei Liverpool unter Trainer Roy Evans eine neue Ära. Es wurde wieder besserer Fußball gespielt, jedoch in der Quantität der Pokale gab es nicht so viel zu feiern. Doch viele Anhänger des Liverpool FC waren aufgrund der neuen Mentalität und dem schönen Fußball wieder besser auf ihr Team zu sprechen. Mit Gérard Houllier wurde dann ein Weltklassetrainer verpflichtet. Unter ihm holte man wieder zahlreiche Titel und spielte fantastischen Fußball. Das Konzept stimmte wieder. Es wurden junge Spieler aus der eigenen Jugend in das Team eingebaut, diese Spieler identifizierten sich mit den Zuschauern und andersherum. Der von den Fans gepriesene ,,Spirit of Shankly” war wieder in Liverpool. Leider musste Houllier seine Trainerkarriere beim Liverpool FC wegen einer Krankheit beenden und verließ die Stadt 2004 ohne Meistertitel.

2004 beginnt die spanische Phase

Nachfolger von Houllier wurde der Spanier Rafael Benítez. Auch Benítez kam mit einem gut durchdachten Konzept zur seiner neuen Arbeitsstelle. Auf viele spanische Spieler zu setzen ist zwar nicht der ,,Spirit of Shankly”, aber das Konzept war sehr erfolgreich und von den Fans anerkannt. Die bekanntesten Spieler die verpflichtet wurden waren unter anderem Alvaro Arbeloa, Xabi Alonso, Fernando Torres und Albert Riera. Vereinzelt sportliche Höhenflüge wie der Gewinn der Championsleague 2005 hielten Benítez auf der Bank. Eine Meisterschaft konnte auch unter ihm nicht gewonnen werden. Die Problematik, dass man mit der damaligen Mannschaft nicht 38 Meisterschaftsspiele gewinnen kann, erkannte Rafael Benítez sehr früh und lehnte sich gegen das Management auf. Auch öffentlich setzte er sich keinen Maulkorb auf und forderte mehr Geld für neue Spieler. Ohne das Geld konnte er keine richtige Siegermannschaft formen und die Mannschaft zerbrach. Die Abgänge von Xabi Alonso und später von Javier Mascherano konnten nicht kompensiert werden und so musste Benítez 2010 gehen. Er ging teils auch freiwillig, da er nicht das bekam, was er für die Mannschaft gebraucht hätte, die seit Langem mal wieder die Meisterschaft hätte gewinnen können.

Liverpool versinkt in Hilfslosigkeit

2010 kehrte mit Roy Hodgson der Kick and Rush Fußball in die Anfiel Road wieder. Viele Anhänger sahen die Verpflichtung von Roy Hodgson als Verzweiflung des Managements an. Er hatte davor nur mittelmäßige Mannschaften trainiert, war nie richtig erfolgreich und ließ keinen guten Fußball spielen. Die Marschroute war klar: Lange Bälle auf den kopfballstarken Andy Carroll. Der sollte sie auf Suarez ablegen und alle hofften, dass Luis Suarez damit etwas anfangen konnte. Das Vereinsmanagement geriet zunehmend in die Kritik, da es sich auch schon 2007 mit dem Verkauf des Vereins an George Gillet und Tom Hicks viele Feinde gemacht hat. 2010 wurde der Verein abermals verkauft. In einem langen Rechtsstreit, welcher dem Klub einen großen Imageschaden zufügte, wurde der Liverpool FC an New England Sports Ventures verkauft. Die ganze Stadt war empört darüber, wie das Vereinsmanagement mit dem Klub umging. Stimmen wurden laut, man könne doch nicht jedes Jahr den Verein an andere ,,Gauner” verkaufen. Zum Teil war man aber auch froh, Hicks und Gillet los zu sein. Die hatten einen großen finanziellen Schaden verursacht, der sich bis heute bemerkbar macht. Des Weiteren kommen nunmehr drei Jahre ohne Championsleagueeinnahmen dazu.

Kenny Dalglish lässt sich vom Geld verführen

Mit Dalglish soll auch wieder der Erfolg wiederkommen. Die Fans wünschen sich nichts mehr, als mal wieder eine Meisterschaft zu feiern. ,,King Kenny" soll ihnen dabei helfen
Mit Dalglish soll auch wieder der Erfolg wiederkommen. Die Fans wünschen sich nichts mehr, als mal wieder eine Meisterschaft zu feiern. ,,King Kenny” soll ihnen dabei helfen

Nachdem Roy Hodgson gefeuert wurde, übernahm Spielerlegende Kenny Dalglish. Er übernahm eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckte. Mit jungen Spielern aus der eigenen Jugend baute er ein neues Team auf, das sogar bis zum Schluss um die Europa League Plätze kämpfte. Kelly, Wilson, Shelvey, Spearing und Flanagan spielten eine wichtige Rolle in einer fantastischen Rückrunde. In der Anfield Road war man wieder zutiefst zufrieden und die Vorfreude auf die nächste Saison konnte nicht größer sein. Publikumsliebling Dalglish war wieder Trainer und spielte sehr erfolgreichen Fußball mit Spielern aus der eigenen Jugend. Im Hinterkopf hatte man natürlich noch, dass Kenny Dalglish der letzte Meistertrainer ist. Auf dem Transfermarkt wurde man dann trotz der guten Rückrunde übermütig. Es kamen für viel Geld Charlie Adam, Stewart Downing, Jordan Henderson und José Enrique. Unter Dalglish kamen in der Rückrunde noch Andy Carroll und Luis Suarez für den abgewanderten Fernando Torres. Bisher konnte allein Luis Suarez überzeugen. Anstatt mit dem Erfolgskonzept aus der Rückrunde weiterzumachen, investierte Dalglish knapp 100 Millionen Euro in Spieler, die keinen sportlichen Erfolg brachten. Viel Geld für einen Klub, der sowieso schon knapp bei Kasse ist.

Im Vereinsmanagement muss sich etwas ändern

In den letzten Jahren fehlte Liverpool ein Konzept und somit auch ein Gesicht. Trainer kommen und gehen und somit auch unterschiedliche Philosophien. Teure Transfers schlagen nicht wie gewünscht ein und der ,,Spirit of Shankly” geht allmählig verloren. Auch das Vereinsimage hat erheblichen Schaden genommen. Durch Skandale, wie die von Suarez oder auch Aussetzer von Dalglish, rutscht der Verein immer weiter in die Mittelmäßigkeit. Fans des Liverpool FC wünschen sich nichts mehr, als das Ruhe in den Verein kehrt und die Erfolge letzterer Jahre zurückkommen. Vor allem brauchen sie aber keinen mit Millionen erkauften Erfolg, sondern Spieler die sich mit dem Verein identifizieren und sich für ihn aufopfern. Spieler wie Ian Rush, Steven Gerrard oder Jamie Carragher. Erst wenn der Verein, die Region und die Spieler wieder enger zusammen stehen, dann kann man wieder von der Meisterschaft träumen.

Bildnachweis: flickr: exacta2a, ADB-Photography, che1899, Ms_Bumb,

Ich bedanke mich ausdrücklich bei dem Fan-Forum reds-online für sehr ausfürliche Beiträge zu diesem Thema.

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