Brendan Rodgers im Portrait

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Brendan Rodgers ist der neue Trainer beim FC Liverpool und die große Hoffnung an der Anfield Road. Der Nordire soll endlich wieder einen Meistertitel nach Liverpool holen. Schwierig genug ist diese Aufgabe, auch weil er bisher noch nie in einem so großen Verein als Cheftrainer gearbeitet hat. Letzte Saison sorgte er mit der walisischen Mannschaft Swansea City für viel Furore und gilt als eines der größten Trainertalente Englands.

Der 39-Jährige spielte früher beim FC Reading und konnte sich berechtigt Hoffnung auf eine Profikarriere machen. Doch er bekam zu schnell Probleme mit seinem Knie. Seine aktive Laufbahn endete noch vor einem Einsatz in der ersten Mannschaft. Für Brendan Rodgers war nach seiner Fußballerkarriere schnell klar, dass er Trainer werden würde. Von einer Trainerkarriere versprach er sich sehr viel. Anstatt, wie viele es machen, in den letzten Vereinen als Jugendtrainer anzufangen und sich weiter nach oben zu arbeiten, reiste er in die Niederlande oder nach Spanien um Mannschaften zu beobachten und sich ein großes Spektrum an Fußballfachwissen anzueignen. Er wollte sich zuerst praktisch weiterbilden und eine eigene Spielidee entwickeln, ehe er sich als Trainer betätigt.

Brendan Rodgers erhielt etwas später doch eine Aufgabe im Jugendbereich des FC Reading. Eine Mischung aus Jugendkoordinator und Teambetreuer hielt ihn nicht davon ab, weiter im Ausland nach neuen Ansätzen und Ideen zu suchen. In Reading war er der erste Ansprechpartner für Jugendliche, die private, wie auch sportliche Probleme hatten. Er hatte es fast zum Profi geschafft und konnte einiges an die jüngeren Spieler weitergeben. Als Jugendkoordinator besuchte er Spiele der verschiedenen Jugendmannschaften und beobachtete die Leistungen der Spieler. Das war sehr wichtig für ihn, nicht gleich als Trainer ins kalte Wasser geworfen zu werden, sondern alles etwas von außen zu beobachten, den Kontakt zu den  Spielern aber aufrecht zu erhalten. Seine kommunikative Art half ihm auch bei seinen späteren Aufgaben sehr viel weiter.

Im Jahr 2004 wechselt Brendan Rodgers zu Chelsea. Der damalige Trainer José Mourinho war von Rodgers Arbeit in der Jugend begeistert und hielt sehr viel von ihm: “Ich mag alles an ihm. Er ist sehr ehrgeizig und sieht den Fußball an sich nicht viel unterschiedlicher als ich. Er ist sehr offen, wissbegierig und mag es mit anderen zu kommunizieren.” Weil sich beide auf gewisse Weise so ähnlich sind,  wird Rodgers auch viel mit “The Special One” verglichen.  Zunächst übernahm Rodgers wieder die Rolle als Jugendtrainer, 2006 wurde er dann von Mourinho als Teammanager der 2. Mannschaft befördert.  Nach zwei Jahren guter Arbeit verlässt Rodgers den Westen Londons um sich auf seine eigene Karriere zu konzentrieren. Er übernimmt zum ersten Mal einen Verein als Cheftrainer. Sein neuer Verein war der FC Watford, eine abstiegsgefährdete Mannschaft, die um den Verbleib in der zweithöchsten Liga Englands kämpfte. Nach 23 Spielen unter Rodgers Führung stand Watford auf einem sensationellen 13. Tabellenplatz. Doch es sollte nur bei einem kurzen Intermezzo bleiben, denn Brendan Rodgers wechselte zurück zu seinem alten Verein nach Reading.

Jedoch konnte er seine Vorstellungen vom Fußball nicht auf die Mannschaft von Reading übertragen und Rodgers wurde nach nur sechs Siegen in 23 Spielen entlassen. Die Distanz zu seinen Spielern war zu groß für ihn, um eine erfolgreiche Saison zu bestreiten. Der 39-Jährige ist einer, der nah an die Spieler herantritt und dem das Wohl der Gruppe sehr wichtig ist. Das hat er als Jugendkoordinator und Ansprechpartner in Reading gelernt. “Ich möchte einem Spieler helfen, der Beste zu werden. Ich möchte ihm aber auch helfen, die beste Person zu werden, die er nur sein kann”, so Rodgers.

Nachdem er bei Reading entlassen wurde, zog Brendan Rodgers wieder los, um Spiele im Ausland zu beobachten. Seiner Meinung nach gibt es in England keine Mannschaft, die seine Spielphilosophie praktiziert. Nach sieben Monaten Abstinenz im Trainerdasein, wechselte der gebürtige Nordire zum Zweitligisten Swansea. Da sein Vorgänger Roberto Martínez eine ähnliche Spielweise wie Rodgers bevorzugt, fand der Coach das Potenzial an Spielern und Vereinskonzept vor, dass er braucht, um seine Vorstellungen vom Fußball zu realisieren.

In Wales übernahm er eine Mannschaft, die seit 2008 in der zweiten Liga spielte und im vorherigen Jahr als Siebter nur knapp die Play-Offs zum Aufstieg verpasste. Die Ansprüche waren dementsprechend in Wales zweitgrößter Stadt gestiegen. Nach einer fulminanten Saison erreichte Swansea den dritten Tabellenplatz. In der ersten Play-Off Runde konnte man gegen Nottingham Forest gewinnen. Die Euphorie, dass Rodgers der Trainer wird, der eine walisische Mannschaft zum ersten Mal in der Geschichte in die Premier League führt, war sehr groß. Im Finale traf Brendan Rodgers auf alte Bekannte. Es ging gegen seinen alten FC Reading und einer seiner Schützlinge sollte in diesem Spiel aufblühen. Scott Sinclair, der zuvor unter Rodgers bei Chelsea und Reading spielte, schoss Swansea mit drei Toren zu einem historischen Aufstieg.

Gleich in seiner ersten Premier League Saison als Teammanager konnte er sowie seine Mannschaft restlos überzeugen. Für beide war die Premier League ungewohntes Terrain und für Rodgers “schon komisch, plötzlich neben Sir Alex Ferguson und Arsene Wenger zu sitzen”. Swansea hatte seine Spielphilosophie verinnerlicht. Dadurch dominierten sie als Aufsteiger Mannschaften wie Arsenal oder Manchester City und konnten mit dem niedrigsten Etat der Liga am 35. Spieltag den Klassenerhalt vorzeitig sichern.

Rodgers Vorstellung vom Fußball

„Ich liebe es das Spiel zu kontrollieren. Ich liebe es die Verantwortung für unser Spiel zu haben. Wenn du am Ball besser bist als dein Gegner ist, hast du zu 79% die Chance das Spiel zu gewinnen. Es spielt keine Rolle, ob du klein oder groß bist. Wenn du den Ball nicht hast, kannst du kein Tor schießen”. Damit ist klar, was das Grundgerüst bildet: Ballbesitz. Man könnte meinen, dass Swanseas Spiel eine Mischung aus dem spanischen „Tiki-Taka“ und dem niederländischen „Totaal-Voetbal“ war. Wie Rodgers Vorbilder, Barcelona und Amsterdam, strebt sein Spiel nach der Perfektion. Er legt großen Wert auf die Qualität der Torchancen, anstatt auf die Quantität. Dabei unterscheidet der 1973 geborene Trainer zwischen einer halben und einer ganzen Torchance. Wenn im Spiel die halbe Chance vorhanden ist, zirkuliert man lieber den Ball weiter in den eigenen Reihen, bis man eine ganze Torchance herausgespielt hat. So kommt es, dass Swansea City in der abgelaufenen Spielzeit 2000 Pässe mehr gespielt hat, als Rodgers neuer Verein Liverpool.

Brendan Rodgers hat es in Swansea geschafft, den Spielern zu vermitteln, wann die ganze Torchance gegeben ist und man zum Abschluss kommen soll. In zahlreichen Videositzungen wurde den Spielern erklärt, wann und wie sie die richtigen Entscheidungen zu treffen haben. Das Streben nach der Perfektion.

„Wenn wir den Ball haben machen alle mit. Der Unterschied zu anderen Teams ist, dass wir mit elf Spielern aufbauen, andere Teams mit zehn und einem Torwart, so Rodgers. Der mitspielende Torwart ist ein weiterer wichtiger Aspekt in seinem Offensivspiel. Abgeleitet von Victor Valdes, der das Tor von Barcelona hütet, und Edwin van der Saar, der bei Ajax Amsterdam der Prototyp eines modernen Torwarts war, übernahm Rodgers den spielenden Torwart und unterstreicht Rodgers Ambitionen vom Ballbesitz.

Das Letzte, was er sich aus seinen Auslandsreisen abgeguckt hat, ist die Spielformation. Angepasst an das etwas defensivere England, lässt er seine Mannschaft mit einem asymmetrischen System aus einem 4-3-3 und 4-5-1  auflaufen. Auffällig sind die schnellen Außenstürmer und die Ballverteiler im Mittelfeld, die an Xavi, Iniesta oder Messi erinnern. Sogar eine „falsche Neun“ konnte man diese Saison beobachten. Nicht umsonst wurde der Mannschaft aus Wales der Spitzname „Swanselona“ gegeben.

Schafft es Brendan Rodgers „Liverpoolona“ zu formen?

Auf seiner ersten Pressekonferenz wirkte Brendan Rodgers sehr ruhig und gelassen. Man sah ihm nicht an, welch schwierige Aufgabe demnächst auf den 39-Jährigen zukommt. Durchaus selbstbewusst und kämpferisch gab er sich in seinen Aussagen. Er habe das nötige Fachwissen, um Liverpool wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Außerdem sagte er, dass die Spieler wieder mit mehr Stolz das rote Trikot tragen sollen, was bei den Fans sehr gut ankam.  Das Wichtigste sagte er zum Schluss: „Ich werde den Spielstil von Swansea auf Liverpool übertragen“. Das stimmte die Reds-Anhänger positiv, obwohl sie noch zuvor die Reaktivierung von Rafael Benitez gefordert haben. Doch Rodgers Auftreten in der Öffentlichkeit lässt eigentlich nichts anderes übrig, euphorisch auf die nächste Saison zu schauen.

Doch die Euphorie könnte schnell wieder verloren gehen, wenn man bedenkt, was für eine Herkulesaufgabe Rodgers stemmen muss. In Swansea hatte er zum großen Teil die Spieler zusammen, die in sein System passten. Doch in Liverpool gab es seit ein paar Jahren bei unterschiedlichen Trainern andere Spielphilosophien und dementsprechend wurde auch kreuz und quer eingekauft. Mit einem Drei-Jahres-Vertrag stellte man die Weichen auf eine langfristige Zusammenarbeit und eine einheitliche Philosophie. So kann man jetzt gezielt auf dem Transfermarkt einkaufen, auch weil Rodgers in Swansea bewiesen hat, dass er aus Schnäppchen und No-Names Stars formen kann.

Und da liegt das nächste Problem. In Liverpool findet er schon massenweise Stars vor. Gegenüber denen muss er sich viel Respekt verschaffen, damit sie ihm blind folgen. In der vergangenen Saison scheiterte mit André Villas-Boas bei Chelsea ein Trainer, der ebenfalls keine aktive Fußballerkarriere vor zuweisen hat und in Mourinhos Trainerstab gearbeitet hat. Ebenfalls kam er mit einer vielversprechenden offensiven Spielidee und scheiterte an den etablierten Spielern wie Frank Lampard oder Didier Drogba. Er konnte sich nicht richtig durchsetzen und somit sein Spielsystem nicht verwirklichen. Schnell wurde aus dem großen Trainertalent ein Geschasster. Auch das Ansehen und der Ruf Villas-Boas haben unter der medialen Darstellung seines Rauswurfes gelitten. Brendan Rodgers muss gut darauf achten, dass er nicht ein Déjà-Vu erlebt, denn die Parallelen zu André Villas-Boas sind erschreckend ähnlich.

Des Weiteren muss das Trainertalent aus Nordirland mit dem so wichtigen Publikum in Liverpool umgehen können. Roy Hodgson, Trainer vor Kenny Dalglish, war von Anfang an unbeliebt bei den Fans und das wirkte sich auf das ganze Umfeld aus, was schließlich mit seiner Entlassung endete. Brendan Rodgers hat erst mal einen Kredit, den er nicht so schnell verspielen darf.  Fakt ist: auf dem zweitjüngsten Trainer in der Geschichte von Liverpool lastet sehr viel Druck, den er aber sehr geschickt in Motivation ummünzt: „Ich kann es kaum erwarten, dieses unglaubliche Projekt auf die Beine zu bringen. Ich verspreche, für diesen Verein zu kämpfen und die Prinzipien des Liverpool Football Club auf und neben dem Platz zu verteidigen.“

Klubbesitzer John Henry sieht die Situation etwas entspannter und gibt dem Trainer Zeit: „Wir erwarten keine Wunder über Nacht und das sollte auch keiner tun“. Von Wundern träumt man in Liverpool eigentlich nur noch, weil die Hoffnung auf Besserung in den letzten Jahren nicht gegeben ist. Doch mit Brendan Rodgers haben sie einen Trainer, der ihre Hoffnung wieder zum Leben erwecken kann und nach langem Warten den Meistertitel an die Anfield Road holen kann. Für die Generation Reina, Charrager und Gerrard wird es langsam Zeit. Doch genau diese gestanden Spieler müssen den jungen Trainer unterstützen und sich nicht wie bei Chelsea gegen ihn auflehnen. Wenn das passiert, kann der FC Liverpool vielleicht wieder an erfolgreiche alte Zeiten anknüpfen.

Bildnachweis: flickr.com Blog Gallery

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