Wo sind die Rebellen?

Aus seiner rebellischen Art heraus entsteht sein Ruf als Skandalnudel (flickr.com jonf45)
Aus seiner rebellischen Art heraus entsteht sein Ruf als Skandalnudel (flickr.com jonf45)

Aus seiner rebellischen Art heraus entsteht sein Ruf als Skandalnudel (flickr.com jonf45)

Die Frage – Wo sind die Rebellen? – bezieht sich auf die derzeitige Fußball Bundesliga. Zu oft hört man sich die durchgekauten Field-Interviews nach den Spielen an und fragt sich, wo ist die eigene Meinung geblieben? Wo sind die Spieler geblieben, die ihre eigene Meinung vertreten und auch mal Tacheles reden, wenn es darauf ankommt? Wo sind die Spieler geblieben, die einfach mal Nein sagen können?

Man findet sie heute nur noch selten und das meistens im Ausland. Spieler wie Joey Barton oder Zlatan Ibrahimovic provozieren, lehnen sich gegen das System auf. Gegen das System des Mainstreams. Sie sind Spieler, die gegen die Strömung schwimmen und dafür gehasst oder geliebt werden. Barton oder Ibrahimovic vertreten öffentlich ihre eigene Meinung, ohne auf den wichtigsten Faktor Acht zu geben. Den Faktor Medien. Ob Joey Barton Brasiliens Superstar Neymar via Twitter kritisiert, oder Zlatan Ibrahimovic von sich gibt, nur Muhammad Ali wäre größer als er. Sie zeigen keine Scheu vor der Reaktion von den Medien. Sie sind einfach sie selbst. Warum Barton regelmäßig für Aufmerksamkeit sorgt, erklärter er vor kurzem in einem Interview bei 11 Freunde: “Die Skandale entstehen, weil ich die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist etwas, was die meisten Menschen nicht mögen.”

Solche Art Spieler sind in der Bundesliga ausgestorben. Immer hört man den gleichen Brei. Immer die gleichen Floskeln. Heutzutage sind die Spieler Handpuppen, geführt vom Verein und der Angst, öffentlich Schlagzeilen zu machen. Die Medien stürzen sich auf jede noch so kleine Antwort, die Aufmerksamkeit erregen könnte, weil der Markt der Skandale erschöpft ist. So wird häufig aus einer ehrlichen Meinung ein Skandal zelebriert, was dazu führt, das dieser Spieler nicht noch einmal ehrlich antworten wird und lieber und die schützenden Floskeln des Vereins flüchtet. Sollte trotzdem ein Spieler in einem Interview nur ein bisschen von der vorgegeben Marschroute des Vereins abraten, so wäre es, als würde man in ein Becken voller hungriger Haie ein Stück Fleisch reinwerfen. Den Medien ist das nicht zu verübeln, denn sie werden einfach nicht gefüttert. Was für Aussagen können sie denn für eine Nachberichterstattung herausziehen? “Wir denken von Spiel zu Spiel” oder “wir müssen weiter an uns arbeiten” sind häufig gehörte Sätze.

Die Medien haben reagiert. Die Internetseite www.schalkefan.de hat “Das große Schalker-Krisen Bullshit-Bingo” herausgebracht. In 25 Kästchen stehen 25 Floskeln, die man jeweils durchkreuzen muss, wenn man die Floskel auf Pressekonferenzen oder in Interviews von Spielern und Vereinsverantwortlichen hört. Sollte man in einer Pressekonferenz alle Floskeln zu hören bekommen, ist es einem selbst überlassen, laut Bingo zu rufen. Hier geht es zum großen Schalker-Krisen Bullshit-Bingo –>

Bei den Interviews nach den Spielen vermisst man den berühmten Satz von Freddie Frinton in Dinner for One: „The same procedure as last year?“. Fragen und Antworten wiederholen sich ständig. Es ist mittlerweile soweit gekommen, dass man sich vor einem Interview schon ausrechnen kann, wie dieses verlaufen wird. Die Fragen und die Antworten sind heutzutage gähnende Leere. Es finden sich einfach keine Aussagen wieder. Joey Barton ist der Meinung, dass viele Spieler ihre Werbeverträge nicht aufs Spiel setzen möchten. Und genau da liegt das Problem. Eingekesselt von Verein und Sponsor bleibt dem Spieler nichts anderes übrig, floskelartig auf Fragen zu antworten. Ein Barton oder Ibrahimovic wird in den Medien schnell negativ dargestellt. Und den Mut besitzt im Moment noch keiner in der Bundesliga, diesen Vorgang zu durchbrechen.

Was bleibt hängen? Der berühmte Satz “Eier, wir brauchen Eier” oder “nur die Leistung zählt”? Es bleiben Spieler wie Oliver Kahn im Gedächtnis, die gegen den Strom schwimmen. Oder Dirk Lottner fasste das – zusehen in der DSF Rubrik Top 10 Spieler Sprüche – passend zusammen: “Es ist immer der gleiche Spielverlauf, dass du nach dem Spiel hier stehst, gibst dämlich doofe Interviews und bist gezwungen etwas in die Kamera zu sagen.” Eine neue Auflage dieser Sendung wird es wohl länger nicht mehr geben, weil sich nicht Spieler wie Kevin Kurányi vor die Kamera stellen und den Reporter fragen, ob er ihn eigentlich verarschen möchte. Nein, heutzutage  wird lieber drum rum geredet oder ganz geschwiegen.

Doch es gibt Hoffnung im Marionetten gelenkten Fußballgeschäft. Vorreiter sind Jürgen Klopp und Holger Stanislawski, die nach Spielende auf eine lustige Weise Interviews gaben, die mutig und ironisch daher kamen. Abgesprochen mit dem Reporter wurde auf ironische Fragen ironisch geantwortet. Das war mal etwas anderes. Das war Entertainment, welches man sich von allen Beteiligten wünscht.

Zwei interessante Interviews mit Holger Stanislawski


Vorreiter waren Jürgen Klopp und Arnd Zeigler, die diese Art von Interview einführten

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