Vielleicht nächstes Mal

Und dann war es wieder vorbei. Mesut Özil lag ausgepumpt auf dem Rasen, Mario Götze tröstete Marco Reus, Thomas Müller weinte still in sein Handtuch. Da war sie wieder, die Leere, dieses Gefühl, mehr denn je verspielt zu haben. Es hatte wieder mal nicht gereicht. Wieder kein Titel.
Wie kann es sein, dass diese talentierte deutsche Mannschaft seit Jahren erfolglos bleibt? Im Grunde ist es immer wieder das Gleiche: Einwandfreie Vorbereitung, ein hochbegabtes, junges Team, große Erwartungen und der Glaube, dass es dieses Jahr doch mal klappen muss. Dann die ersten Spiele: Gegen unterklassige Teams souveräne, teilweise begeisternde Vorstellungen, gegen große Gegner große Spiele mit großem Jubel, kurzes Schwelgen in der eigenen Klasse, flüchtiges Genießen, dann weiter, zum nächsten Spiel. Doch im Halbfinale oder Finale scheitert man dann. Spätestens an Italien. Und mit einem Mal ist wieder alles vorbei, alles weg, es bleibt nur der Glaube, dass es doch irgendwann mal klappen muss. Spätestens beim nächsten Turnier in zwei Jahren.
So läuft es seit Jahren. Bei der WM 2006 scheiterte Deutschland im Halbfinale an Italien, zwei Jahre später bei der Europameisterschaft im Finale an Spanien. In Südafrika jagte eine junge talentierte Mannschaft ihre Gegner, bis Spanien sie im Halbfinale mit ihren fließenden Pässen lehrte, den Ball zu jagen. Sie würden an dieser Niederlage wachsen, hieß es. Sie sind ja noch so jung. Und nun zeigten ihnen erneut die Italiener, wie viel abgebrühter und cooler sie noch werden müssen, um irgendwann einen Titel zu gewinnen. Aber sie sind ja noch jung. Vielleicht beim nächsten Turnier.
Es ist einerseits beruhigend, dass man dieses Argument immer wieder verwenden kann. Denn das Team ist ja wirklich noch jung, es hat ja wirklich viel Potenzial, und es wird sich ja wirklich noch weiter entwickeln. Aber irgendwie fragt man sich auch: Wann verdammt noch mal wird es denn endlich soweit sein?
Man könnte jetzt in Aktionismus verfallen, Dinge im Verband ändern, neue Strukturen schaffen, neue Ideen heraufbeschwören. Man sich aber auch darauf besinnen, dass man viel richtig gemacht hat in den letzten Jahren, so wie Jogi Löw es tut. Wie nach den letzten großen Turnieren wird er den Kader punktuell verändern, einzelne Feinheiten im System korrigieren, die Spieler weiter wachsen lassen. So abgebrüht spielend wie Italien oder so unermüdlich dem eigenen Stil treu bleibend wie Spanien wird das Team vielleicht erst in zehn Jahren, vielleicht nie sein. Aber es wird besser werden, Stück für Stück. Und vielleicht wird es irgendwann reichen. Vielleicht sogar schon beim nächsten Turnier.

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