Talentschmiede Portugal

Die Porto Fans mussten die Meldung wohl oder übel hinnehmen, als offiziell verkündet wurde, dass ihr großer Held Hulk für 55 Millionen Euro (transfermarkt.de) zu Zenit St. Petersburg wechseln würde. Lange Zeit war es klar, dass der brasilianische Stürmer den Verein verlassen würde. Es wurde über Wochen spekuliert, wohin Hulk wechseln würde und für wie viel Geld. Das war vor dieser Saison. Ein bekanntes Szenario, welches nicht nur der FC Porto kennt, sondern viele portugiesische Mannschaften können ein Lied davon singen. Fast im Transferperiodentakt wechseln Spieler für horrende Summen in Europas Spitzenligen und werden dort zu Weltstars.  Doch ausgebildet wurden sie alle in Portugal. In der Liga Zon Sagres.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Verluste von Topspielern Jahr für Jahr durch neue preiswerte Spieler kompensiert werden. Aktuellstes Beispiel ist der FC Porto. Erst wurde ein Jahr zuvor Falcao für viel Geld an Atlético Madrid verkauft, jetzt Hulk. Ein neuer Torjäger musste her. Von den 102 Millionen Transfererlöse der beiden Spieler verpflichtete man einen bisher unbekannten Jackson Martínez für 8,8 Millionen Euro (transfermarkt.de). Ein Kolumbianer, der aus der mexikanischen Liga von Jaguares de Chiapas kam. Wahrscheinlich rieben sich viele Porto Fans die Augen als sie erfuhren, dass ein 26-Jähriger ihr neue Heilsbringer und Topstar werden sollte. Einige andere vertrauten vielleicht auf das sensationelle Scoutingsystem von Porto. Und siehe da, gleich im ersten Jahr schlug Martínez ein und ließ Hulk und Falcao vergessen. 23 Tore in 22 Ligaspielen sprechen für sich. Und gleich kamen Gerüchte von einem möglichen Interesse von Chelsea an dem Kolumbianer auf.

Porto ist nur ein Beispiel in Portugal. Der zweite große Klub Benfica Lissabon verkauft seine besten Spieler ebenfalls regelmäßig für große Summen. Es gibt viele Beispiele, die zeigen, welche Spieler Benfica in den letzten Jahren ausgebildet und an die Spitzenmannschaften in Europa verkauft hat.

  • Axel Witsel –> Zenit St. Petersburg (40 Millionen)
  • Javi García –> Manchester City (20 Millionen)
  • Fábio Coentrão –> Real Madrid (30 Millionen)
  • David Luiz –> Chelsea (30 Millionen)
  • Ramires –> Chelsea (22 Millionen)

Doch anstatt das Geld gleich wieder kopflos auszugeben, wird bei Benfica gezielt in junge Spieler investiert. In der Hoffnung, dass diese Spieler in ein paar Jahren wieder verkauft werden können. Die portugiesische Liga wirkt wie eine Talentschmiede, denn um Leistungsträger wird nicht gekämpft, sondern lieber verkauft. Eine große Stärke ist, dass der Qualitätsverlust gering bleibt. Porto und Benfica dominieren trotz vieler Abgänge weiterhin die Liga. Aber auch international läuft es weiterhin sehr gut. Porto schaffte es dieses Jahr ins Championsleague Achtelfinale. Benfica Lissabon steht im Europaleague Viertelfinale. Das aktuelle Highlight war der Europaleague Titel von Porto in der Saison 2010/11.

Der dritte große Klub Sporting Lissabon hinkt derzeit sportlich den beiden anderen großen Klubs hinterher, als Ausbildungsverein ist er trotzdem bekannt. Spieler wie Miguel Veloso, Joao Moutinho, Nani, Ricardo Quaresma und Simao durchliefen die Sporting Lissabon Akademie. Der größte Stolz nicht nur von Sporting, sondern wahrscheinlich von ganz Portugal ist Cristiano Ronaldo. Wenn man noch ein wenig in die Vergangenheit zurückblickt findet man auch unter den Ausgebildeten einen gewissen Luis Figo.

Dass sich die Spieler in der portugiesischen Liga so gut weiterentwickeln, hat verschiedene Gründe. Zum einen verfügen die Topmannschaften über ein ausgeprägtes Scoutingsystem, vor allem in Südamerika, wo Spieler schon in sehr jungen Jahren beobachtet werden. Nicht umsonst finden sich viel Südamerikaner in den Mannschaften wieder. Das schafft einen guten Ruf in Südamerika. Sollte ein Klub aus Portugal anklopfen, weiß ein Spieler, dass er eine gute Chance hat, sich dort weiterzuentwickeln. Außerdem wird er durch den hohen Anteil an südamerikanischen Spieler gut aufgefangen und fühlt sicher von Anfang an wohl. Das erleichtert auch die Verständigung untereinander, wenn man die gleiche Sprache spricht. Zum anderen tummeln sich in der Liga Zon Sagres nicht nur talentierte Spieler, sondern auch Weltklassetrainer. José Mourinho und André Villas-Boas trainierten den FC Porto, aktuell bei Benfica Lissabon steht Jorge Jesus an der Seitenlinie. Ein weiterer Faktor ist das doch sehr akzeptable sportliche Niveau in der Liga. Im Training, wie im Ligabetrieb wird man schon ganz gut gefordert. Wird ein Spieler irgendwann zu gut, wechselt er und ein neues Talent kommt nach. Ein ewiger Kreislauf.

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