Nie mehr 20.15 Uhr

idlmon

Montags um 20.15 Uhr findet das Topspiel der 2. Liga statt. Die besten Teams der Liga messen sich unter Flutlichtathmosphäre. Fans am Fernseher freuen sich, dass das Topspiel im Free-TV übertragen wird. So hatten die DFL und Sport1 sich die Ansetzung am Montagabend vorgestellt. Doch die Realität sieht anders aus. Langweilige Spiele, Fanproteste und teilweise schlechte Stimmung auf den Rängen und vorm Bildschirm sind längst an der Tagesordnung. Am meisten betroffen sind die Fans, die alle 34 Spiele ihrer Mannschaft live im Stadion mitverfolgen wollen.

Das Beispiel von Fortuna Düsseldorf

Ein erschreckendes Beispiel ist dieses Jahr der Terminkalender von Fortuna Düsseldorf. Ganze elf Spiele der Fortuna wurden auf einem Montag platziert. Diejenigen, die ihrer Fortuna jedes Spiel treu zu Seite stehen wollen, müssen oft montags quer durch Deutschland und dienstags wieder quer zurück. So kommt es, dass Düsseldorf Fans fast ein Drittel ihres Jahresurlaubes für Montagsspiele opfern müssten. Das hatte zur Folge, dass der „Supporters Club Düsseldorf“ zwei offene Briefe an Götz Bender von der DFL geschrieben hat. Ohne Antwort. Warum sich die Düsseldorf Fans so aufregen, ist nachvollziehbar. Der aktuelle Tabellenführer und Überflieger Greuther Fürth muss montags nur dreimal ran, Tabellennachbar Paderborn sogar kein einziges Mal. Vorschläge, wie man die Montagsspiele fanfreundlicher gestalten kann, benannte der „SCD“ ebenfalls in dem Brief an Bender. Der „SCD“ sieht inzwischen ein, dass man das Montagsspiel in näherer Zukunft nicht abschaffen kann, da es Bestandteil der TV-Verträge ist. Jedoch könnte man die „Spiele einigermaßen fair auf alle 18 Zweitligisten verteilen“ heißt es im offenen Brief. Weiter heißt es: „Bei der Ansetzung könnte weiterhin die Distanz zwischen den Spielorten berücksichtigt werden.“ In diesem Falle müssten Fans nicht mehr durch ganz Deutschland reisen und dabei noch Urlaubstage opfern. Da dies aber weiterhin nicht gilt, müssen auch die Vereine unter den Montagsspielen leiden.

Immer wieder gibt es Fanproteste gegen Montagsspiele

Die durchschnittliche Stadionauslastung liegt ungefähr bei 57,6%, wobei die Auslastung montags bei 57,1% liegt. So verzeichnen die Vereine weniger Einnahmen und es kommen weniger Leute um die eigene Mannschaft zu unterstützen, auch wenn es sich bei den Montagsspielen vornehmlich um Topspiele handelt, die dem gesunden Menschenverstand nach ja eigentlich besser besucht sein müssten. Außerdem boykottieren viele Fangruppen am Anfang des Spieles den Support, um gegen die Spielpläne zu demonstrieren. So schreibt ein Fanclub von St.Pauli: „Deshalb unterstützen wir die Initiative, das nun stattfinde Montagsspiel zu nutzen, um Fernsehdeutschland in eindringlicher Weise zu zeigen, was wir von den Entwicklungen der letzten Zeit halten. Nämlich nix! Und das wird man auch hören! Eben nix!“ Schlechte Stimmung ist garantiert. Häufig wird auch nicht die eigene Mannschaft unterstützt, sondern es wird lautstark, so dass es jeder am Fernseher hört, „Scheiß Sport1“ gebrüllt. Es kommen aber nicht nur die Fans im Stadion nicht auf ihre Kosten, sondern auch die Fans und neutrale Beobachter am Bildschirm.

Montags 2. Liga gucken ist langweilig

Denn zugegebenermaßen sind Montagsspiele zumeist auch noch stinklangweilig. Meistens ist es nur ein langsames Rumgekicke mit wenigen Toren und vielen Unterbrechungen. Nur 1,96 Tore fallen montags pro Spiel. Das ist ein außerordentlich schlechter Wert, wenn man bedenkt, dass in den übrigen Spielen 2,91 Tore fallen. Also bekommt man im Schnitt ein Tor weniger zu sehen. Dazu kommt, dass 44 % aller 27 Montagsspiele in dieser Saison unentschieden enden. Üblich ist eine Prozentzahl um die 25 %. Diese Statistiken belegen deutlich, was man am Bildschirm zu bieten bekommt. Zu den weniger spektakulären Spielen kommt noch ein erhöhter Kartendurchschnitt. Knapp eine Karte pro Spiel wird mehr verteilt. Die Spiele wirken zerfahren und ohne jeglichen Spielfluss und Tempo. Man kann diese Statistiken endlos weiterführen. Montags wird mehr gefoult, dagegen werden weniger Ecken getreten. Das alles ist kein Zufall, sondern beweist das schlechte Niveau der angeblichen Topspiele. Ein 1:4 für Eintracht Frankfurt gegen Dynamo Dresden wird zu Seltenheit. Eher muss man sich mit einem 0:0 zwischen Rostock und Bochum zufrieden geben.

Keiner profitiert richtig vom Topspiel

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Montagsspiel jedem Beteiligten auf unterschiedlichste Weise ein bisschen schadet. Es schadet den Fans, weil sie erschwerte Anreisebedingungen haben oder gesetzlich gar nicht ins Stadion dürfen, da man als Jugendlicher nicht mehr ab 22:00 Uhr im Stadion sein darf. Es schadet den Vereinen, weil sie durch weniger Ticketverkäufe weniger verdienen und durch Proteste der Fans vielleicht noch Strafen zahlen müssen. Außerdem schadet es den Mannschaften, weil sie anfangs gar keine oder weniger Unterstützung der Fans erhalten. Zu allerletzt schadet es der TV-Vermarktung. Es mag sein, dass Sport1 viel an den Montagsspielen verdient, doch die Spiele werden immer unattraktiver und somit weniger profitabel für Sport1. Deswegen bleibt nur ein Ausweg: Es muss eine andere Lösung gefunden werden und das zusammen mit den Fans. Denn die Fans leiden am meisten wenn es montags wieder aus der Kommentatorenbox heißt: „Ich begrüße sie ganz herzlich zum Topspiel der 2. Bundesliga hier auf Sport1…..“

Artikelbildquelle: http://www.uebersteiger.de/ausgaben/29/idlmon.jpg
Gastbeitrag bei jogisjungs: http://www.jogisjungs.de/2012/04/07/nie-mehr-20-15-uhr/

One comment to Nie mehr 20.15 Uhr

  • Auswechslung  says:

    Die Fakten die du hier aufgezeigt hast beweisen mein ewiges Bauchgefühl bei den Montagsspielen. Wirklich gut analysiert

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