Geld schießt die meisten Tore – gewinnt aber nicht

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Das Fußballmärchen in Frankreich ist wahr geworden. Montpellier HSC ist zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte französischer Meister. Bis zum letzten Spieltag wurde in der Ligue 1 um den Meistertitel gekämpft. Zum einen die Mannschaft aus Montpellier mit einem Etat von 33 Millionen, zum anderen Paris St.-Germain mit einem Etat von 150 Millionen Euro. Ganz Frankreich drückte dem Underdog die Daumen, um zu zeigen, dass Geld keine Titel gewinnt. Denn seit Saisonanfang wird Paris-St.Germain vom Öl-und Wüstenstaat gesponsert. Knapp 100 Millionen Euro investierte der Hauptstadtklub in neue Spieler, dagegen Montpellier nur maue 2 Millionen. Man solidarisiert sich eben häufig für den Außenseiter, so sagte David Saugat, Außenverteidiger des FC Sochaux: “Es wäre schön, wenn Montpellier den Titel holt, damit bewiesen wird, dass Geld im Fußball nicht alles ist.” Otto Rehhagel sagte einmal: “Geld schießt keine Tore”. Der Spruch ist zwar schon ein bisschen veraltet, er wurde diese Saison trotzdem widerlegt. Paris schoss zwar sieben Tore mehr als Montpellier, letztendlich wurde aber der Außenseiter Meister. Doch wer ist dieser Verein, der in Frankreich den sportlichen Aufstand probt?

Da es so kompliziert ist, sind die verschiedenen Vereinsnamen noch einmal in einer Liste aufgeführt
Da es so kompliziert ist, sind die verschiedenen Vereinsnamen noch einmal in einer Liste aufgeführt

Chaotische Vereinsgeschichte

Der Verein wurde 1919 unter dem Namen Stade Olympique Montpelliérain gegründet. Die Vereinsnamen wurden in den darauffolgenden Jahren nach Belieben hin und her getauscht. Den ursprünglichen Vereinsnamen trug man bis 1926, dann von 1937 bis 1941 und wieder von 1945 bis 1969. Dazwischen hieß der Verein Olympiques Montpelliérains und US Olympique de Montpellier. Nicht chaotisch genug. 1969 wurde der Verein sogar aufgelöst. Als hätte man geahnt, dass dieser Verein einmal französischer Meister werden würde, gründete man ihn als Montpellier-Littoral FC neu. 1974 fusionierte sicher der Klub zu Montpellier La Paillade SC. Erst seit 1989 trägt der Verein aus dem südfranzösischen Département Hérault seinen derzeitigen Namen.

Die Verantwortlichen

Seit der Fusionierung ist Louis Nicollin Vereinspräsident und immer mit Herzblut dabei. Sein Unternehmen besitzt den Verein, doch er ist nicht der Typ Klubeigner, wie sein Pendant Nasser Al-Khelaifi. Vor der entscheidenden Woche sagte er: “Ich glaube nicht, dass ich diese Woche schlafen kann.” Außerdem läuft Nicollin neuerdings mit einem blau-orangenen Irokese durch Montpellier. Er hatte versprochen, bei einem Meistertitel seines Vereins, sich im Stadion die Haare schneiden zu lassen. Nach dem sensationellen Meistertitel konnte er es sich auch nicht nehmen lassen in Richtung Konkurrenz zu schießen: “Wenn ich Paris, Lille, Marseille oder Lyon wäre, würde ich mir eine Wurst in den Hintern stecken. Was für eine Schande für die.” Trainiert wird die Mannschaft von René Girard, der viel Erfahrung in Sachen Ausbildung von Talenten mitbringt. Bevor er 2009 den Aufsteiger Montpellier übernahm, arbeitete er sehr lange in der Nachwuchsabteilung der Equipe Tricolore. Als Cheftrainer der U-16, U-19 und U-21 Mannschaften konnte er viele Talente weiterentwickeln und fördern. Zudem war Girard von 1998 bis 2002 Co-Trainer der französischen Nationalmannschaft. Doch dass er eine bis dato unbekannte Mannschaft wenige Jahre später zum Meister machen würde, hätte ihm keiner zugetraut.

Die Mannschaft

In Frankreich liegt Montpellier im Marktwertranking auf Platz neun. Angeführt wird die Tabelle von Paris St-Germain – versteht sich. Man sieht aber, dass Montpellier diese Saison alles aus sich heraus geschöpft und hat stets über ihren Möglichkeiten gespielt hat. Drei echte Leistungsträger, die im Laufe der Saison Begierde bei diversen Topklubs geweckt haben, bilden den so wichtigen Mittelblock in Montpelliers Aufstellung. In der Innenverteidigung steht Mapou Yanga-Mbiwa (23) wie eine Wand. Bei den meisten bestritten Zweikämpfen und abgefangenen Bällen ist er immer weit vorne in der Statistik. Mit einem Marktwert von 7,5 Millionen ist er für Vereine wie Manchester United kein Schnäppchen mehr. Im Mittelfeld zieht Younés Belhanda (22) die Fäden. Mit 17 Scorerpunkten ist er maßgeblich am Erfolg beteiligt. Er ist nicht nur ein hervorragender Passgeber, sondern auch ein gefährlicher Dribbler und ist somit im Mittelfeld flexibel einsetzbar. Für die Tore ist Olivier Giroud zuständig. Genau wie sein Verein ist er eine riesige Sensation. 2010 war er in der zweiten französischen Liga Torschützenkönig mit 21 Treffern. Nachdem er fast bei Celtic Glasgow gelandet wäre, rief ihn Nicollin an: “‘Was zur Hölle tust du dir da an? Willst du wirklich nach Klimanorck reisen?’ Er brachte mich zum Lachen. In diesem Augenblick hatte ich das Gefühl, dass wir uns eine Ewigkeit kennen.” In der Jugendakademie des AJ Auxerre früher als zu schwach empfunden, ist der 26-Jährige heute eine richtig gute Option für die EM 2012. Diese Saison schoss Giroud übrigens wieder 21 Tore, was wie in Liga 2 zur Torkrone reichte.

 Ein Verein, der neunmal aus der ersten Liga abgestiegen ist und unüberschaubar oft den Namen und die Vereinsfarben gewechselt hat, trotzt dem Geld und wird vor den Spitzenklubs FC Paris Saint-Germain, OSC Lille, Olympique Lyon und Olympique Marseille französischer Meister. Natürlich profitierte Montpellier davon, dass Lyon nicht mehr alleine die Liga dominiert und Marseille eine Saison zum vergessen spielte. Doch dass zwei Spitzenmannschaften schwächeln, macht aus einem Underdog nicht gleich ein Meister. In Montpellier hat sich über Jahre hinweg etwas entwickelt, was auch weiterhin bestehen soll. Geld ist nicht alles im Fußball. Doch vielleicht macht dieses Geld die Mannschaft kaputt und die Leistungsträger schließen sich anderen Vereinen an. Bisher ist die Euphorie auf die Championsleague größer als die Sorgen auf viele Abgänge. “Ob wir nächstes Jahr in der Championsleague gegen Barça oder Inter Mailand spielen? Die sollten sich schon langsam Sorgen machen”, sagte Trainer Rene Girard. Die Championsleague ist nicht noch nicht gewonnen, dafür aber die Sympathien des ganzen Landes.

Bildnachweis: frenchfootballweekly.com

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