Ein Plädoyer für den Stimmungsboykott

Es war wieder verdächtig ruhig an diesem Samstag in den deutschen Stadien. Zum Teil wurde die Aktion “12:12″ fortgeführt, in manchen Stadien wurde sogar über die vollen 90 Minuten geschwiegen. Dieses Verhalten verstanden anscheinend einige Zuschauer oder Fans nicht und machten ihren Ärger in den Stadien oder im Internet kund. “Wir sind Fans und ihr nicht”-Gesänge richteten sich gegen die schweigenden Ultragruppierungen.

Ultras sind keine Maschinen, die dazu verpflichtet sind, Stimmung zu machen

Als Ultra hätte ich mich bei diesen Gesängen etwas falsch verstanden. Sie können mir doch nicht sagen, ich hätte zu singen. Es war ein freiwilliger Protest der Ultras gegen das “DFL-Sicherheitspapier“ und somit konnten sich jeder der Aktion anschließen. Wer lieber Stimmung machen wollte, der konnte sein Team so laut wie möglich unterstützen. Da gab es keine Vorgaben seitens der Ultras. Ich hatte das Gefühl, dass  ein paar Fans denken, Ultras seien verpflichtet zu singen und ihr Team zu unterstützen. Die Lieder vorzugeben. Die Choreographien zu organisieren. Vielleicht kam das auch durch die Gruppendynamik im Stadion und man wollte die trübe Stimmung durch einen “Wir sind Fans und ihr nicht”-Gesang etwas aufheitern. Festzustellen ist aber, dass Ultras keine Maschinen sind, die auf Abruf dazu verpflichtet sind, die Stimmung in den Stadien zu machen. Sie sind freie Menschen und können entscheiden, wann und wie laut sie ihren Verein unterstützen. Es sollte legitim sein, gegen Ganzkörperkontrollen und Verringerung der Auswärtskontingente zu protestieren. Um zu zeigen, dass es ohne den Erhalt der Fankultur Anzeichen von der Stimmung in England gibt, wählte man den Weg des Stimmungsboykottes.

Anonymität im Internet lädt ein zur Kritik

Dass die Ultras dafür im Internet scharf kritisiert werden, erschließt mir nicht wirklich. Reinhard S. ist bei Facebook der Meinung, diese  Fans seien armseligen und der Boykott wichtiger sei, als das eigene Team zu unterstützen und dass man sich für dieses Verhalten der Ultras schämen müsse. Doch der Protest richtete sich nicht gegen das eigene Team. Es war lediglich ein Ausdruck zu zeigen, dass man mit der Verabschiedung des “DFL-Sicherheitspapieres” nicht einverstanden ist. Dabei wäre es inkonsequent, nach einem Rückstand des eigenen Teams den Protest aufzuheben. Die DFL und der DFB sollten merken, dass es ohne die Ultras nicht geht und schleunigst der Dialog mit den Fans gesucht werden muss. Die Fans in den Stadien haben auch gemerkt, dass es ohne die Fahnen, Doppelhalter, Choreos und Gesänge nur ein halbes Erlebnis ist, zum Fußball zu gehen und die Ultras erst ein Fußballspiel  zu einem Fußballspiel machen. Doch anstatt tolerant gegenüber den Ultras zu sein, werden sie scharf kritisiert: “Peinliche Aktion der sogenannten möchtegerne Ultra Fans, die sich einfach selbst viel zu wichtig nehmen. Gut das die “Normalos” versuch haben Stimmung zu machen”, schreibt Torsten K. bei Facebook. Aus den Aussagen im Internet könnte man schließen, Ultras seien keine “normalen Fußballfans”, sondern welche, die sich zu wichtig nehmen und keinen Anspruch haben, einen Stimmungsboykott vorzunehmen.

Ultras sind doch normale Fußballfans

Bei jedem Heimspiel dabei. Bei jedem Auswärtsspiel dabei. Unter Woche auch alles für den Verein geben. Sind Ultras keine normalen Fußballfans? Doch. Sie sind sogar mehr als das. Was manche gar nicht wissen. Die Fanszene ist einer der größten jugendlichen Subkulturen in Deutschland und Auffangbecken für die sozial schwache Schicht in der Gesellschaft. Ultras setzen sich auch für gute Zwecke ein und sammeln für soziale Projekte viel Geld. All das passiert hinter den Kulissen. Durch die Medien werden Ultras oft als Störenfriede und Randalierer dargestellt. Doch das sind sie nicht. Sie geben alles für den Verein und sehr wichtig für die Stimmung in den Stadien, die jeder Fan vermisst, wenn sie nicht da ist.

Miteinander reden ist das Stichwort

Trotz der vielen Diskrepanzen dürfen sich nicht die Fans untereinander streiten und sich in mehrere Lager aufteilen. Die Fans sind das wichtigste an einem Fußballklub. Egal ob Ultra oder nicht. Spieler kommen, Spieler gehen. Trainer sind die Hoffnungsträger und am nächsten Tag die Sündenböcke. Die Fans sind die loyale Ader der Vereine und immer da. In guten wie in schlechten Zeiten. Nicht nur die Fans und der Verband sollten sich an einen Tisch setzten, sondern auch die Fans unter sich und Kompromisse schaffen. Nur so erreichen die deutschen Stadien wieder die Stimmungspegel, die sie in ganz Europa ausmachen.

3 comments to Ein Plädoyer für den Stimmungsboykott

  • Messestadt Leipzig  says:

    nachweislich sitzen provokateure dahinter um die Fanszene zu spalten um sie besser kontrollieren zu können!

  • Ein Fan  says:

    Jetzt auf einmal also?
    Es wird die Meinung gedreht und gewendet, wie sie es wollen. Ultras meinen, dass wir Fans im Stadion doch woanders hingehen sollen, wenn einem Pyro stört. Sie unterdrücken uneren “Support” mittels Megaphone und eigene Lieder etc…

    Ja, bleibt fern aus den Stadien. Ihr werden wohl schnell sehen, wie das Stadion sich ohne Ultras akklimatisieren wird. Es wird Stimmung, Fahnen, Lieder usw geben.

  • GH78  says:

    Dieser Artikel ist der größte Mist den ich jemals gelesen habe. Wenn die Ultras eben keine Lust mehr haben Stimmung zu machen, nur weil es schärfere Kontrollen gibt, dann sollen sie sich doch auflösen.
    Dort wo alte Strukturen sich auflösen organisieren sich auch wieder neue. Diese Menschen nehmen sich einfach für zu wichtig.
    Dazu kommt noch dass der Begriff Ultra verbrannt ist da er oft in der Gesellschaft mit Gewaltverbrechen in Verbindung gebracht wird.
    Dort wo etwas endet entsteht auch wieder neues.

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