Ein Kommentar zum Kießling-Phantomtor

Titelbild

Hoffenheim gegen Leverkusen. Die Ecke schlägt Gonzalo Castro von links, Kießling bekommt den Ball auf den Kopf. Der Ball geht daneben, Kießling schlägt die Hände vor sein Gesicht. Dr. Felix Brych entscheidet auf Tor. Diese Szene ging in die deutsche Fußballgeschichte ein und löste heftige Diskussionen um ein Wiederholungsspiel und die lang ersehnte Torlinientechnik aus. Ein Kommentar.

Jetzt mal ehrlich. Wenn man es nicht vorher wusste, ist es auf den ersten Blick sehr schwer zu erkennen, dass der Ball nicht wirklich ins Tor gegangen ist. Doch die enttäuschte Geste von Kießling und die Proteste der Hoffenheimer ließen dann doch erahnen, dass da was nicht stimmte. Tatsächlich ging der Ball durch das Außennetz in das Hoffenheimer Tor. Die Leverkusener Spieler feierten verschmitzt und lachten mit vorgehaltener Hand, als wäre ihnen ein ganz lustiger Grundschulstreich gelangen. Diese Tatsache muss man den Leverkusenern einfach mal unterstellen. Zu mindestens einer hätte sehen müssen, dass dieses Tor nicht regelkonform war. Natürlich möchte man sich nicht selber in einer solchen Situation verwickelt fühlen, aber von Profis der ersten Fußballbundesliga, wo oft Respekt und Fairness gefordert wird, muss man prinzipiell erwarten, dass sie die Courage besitzen und dem Schiedsrichter das Phantomtor beichten.

Wiederholungsspiel

Nein, bitte nicht. Bitte kein Wiederholungsspiel. Die Hoffenheimer haben Protest eingelegt und wollen das Spiel wiederholen lassen, auch eine Wiederholung der letzten 22 Minuten stehen im Raum, die Rudi Völler höchst persönlich angeboten hat. Aber wo kommen wir da hin, das Tatsachenentscheidungen zu einem Wiederholungsspiel führen? Ist ein Abseitstor in der Nachspielzeit nicht genauso “illegal”, wie das Phantomtor in Hoffenheim? Nein, es ist sogar schlimmer. Hoffenheim hatte sogar noch 22 Minuten Zeit den Rückstand umzubiegen, außerdem sind sie an dem kaputten Netz selber schuld. Wenn dieses Spiel wiederholt wird, dann wird es in Zukunft zu einer Flut von Wiederholungsspielen kommen. Auch Fehlentscheidungen wie ein Platzverweis, ein Elfmeter oder eine zu Unrecht gegebene Ecke können spielentscheidend sein. Nur weil das Phantomtor nicht gang und gäbe im Fußball ist, sollte man es nicht über andere spielentscheidende Situationen heben. Fehlentscheidung ist Fehlentscheidung, egal in welchem Sinne und Ausmaße.

Bitte lieber DFB und liebe DFL,

schützt die Tatsachenentscheidung und schützt die Schiedsrichter. Egal ob Dr. Felix Brych das Phantomtor hätte sehen müssen, wenn jede Tatsachenentscheidung  zu einem Wiederholungsspiel führen würde, dann könnte man auch auf Schiedsrichter verzichten, die genauso viele Fehler machen, wie es Fußballspieler oder Trainer machen.

Mut zur Technik

Dieses ganze Drama hätte verhindert werden können, wenn endlich die Torlinientechnik eingeführt werden würde. Sie ist für den Schiedsrichter eine dankbare Unterstützung und auf dem Niveau der Bundesliga, wo es um so viel Geld geht, auch eine unparteiische Lösung:  Tor oder nicht Tor. Die Integrität eines Schiedsrichters geht dabei in keinem Sinne verloren, sondern die Torlinientechnik ist lediglich ein unterstützendes Mittel, wie es zum Beispiel die Torlinienrichter sind. Man braucht sich wohl über die Effizienz der Technik im Gegensatz zu den meist unbeholfenen Schiedsrichterassistenten an der Torauslinie nicht streiten.

Also bitte lasst das Wiederholungsspiel sein und führt die Torlinientechnik ein! Für alle Seiten bedeutet das einen Vorteil.

 Im Spiel habe ich nach meinem Kopfball und dem Drehen des Kopfes nicht genau gesehen, ob der Ball korrekt ins Tor gegangen ist oder nicht. Irgendwie lag der Ball im Tor. – Kießling bei Facebook

Kießling behauptete, nicht gesehen zu haben, dass der Ball daneben ging. Auch Dr. Felix Brych hatte eigentlich eine gute Sicht auf das Geschehen

Kießling behauptete, nicht gesehen zu haben, dass der Ball daneben ging. Dr. Felix Brych und Kießling hatten eigentlich eine gute Sicht auf das Geschehen. Alles weitere bleibt der eigenen Meinung und Verschwörungstheorien überlassen. (Youtube-Video Seven Sec)

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