Der Schuss zum Glück – eine unglaubliche Geschichte

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Spieler des Lieblingsteams sollen Tore schießen, Vorlagen geben, Zweikämpfe gewinnen oder Elfmeter halten. Heldentaten sind das nicht. Lediglich ganz normale Vorgänge. Zu einer Heldentat, die für immer in Erinnerung bleibt, bedarf es dann doch einer außergewöhnlichen Leistung. Traumtore gehören in die Kategorie Heldentaten, vor allem ein Tor aus der eigenen Hälfte. Xabi Alonso, damals noch im Trikot von Liverpool, sollte mit einem Traumtor Adrian Haywards Leben verändern. Xabi Alonso avancierte zum Held.

Adrian Haywards Lieblingsspieler war Xabi Alonso, als dieser noch bei Liverpool im zentralen Mittelfeld spielte. Hayward beobachtete, dass der Spanier häufiger versuchte, aus der eigenen Hälfte ein Tor zu erzielen. “Letzte Saison sah ich ihn [Xabi Alonso] das ein paar Mal probieren”, erklärte er seine Beobachtungen. In einer Nacht im Juni ging Hayward ein Traum nicht mehr aus dem Kopf. Xabi Alonso sollte ein Tor aus der eigenen Hälfte schießen. Klingt erst einmal nach einem ganz gewöhnlichen Traum, doch Hayward wollte nicht nur träumen, sondern Profit aus der Träumerei erzielen. Seine Idee war, darauf zu wetten. “Mir ging diese Idee einfach nicht mehr aus dem Kopf”, begründete Hayward seine Entscheidung. 200£ sollte sein Traum wert sein. Zu seinem relativ hohem Wetteinsatz sagte er: “Ich habe zuvor noch nie eine so große Summe gesetzt, aber ich hatte einfach so ein gutes Gefühl bei der Sache.” Als die Buchmacher von Paddy Power den Wettvorschlag sahen, waren die Reaktionen eindeutig. “Das werden die einfachsten 200£ die wir je gemacht haben”, sagten die Buchmacher.

Am 3. August 2005, der Geburtstag seines Sohnes, platzierte Adrian Hayward die Wette mit einem möglichen Gewinn von 25.000£. Seit diesem Datum konnte Hayward kein einziges Spiel mehr vom FC Liverpool normal verfolgen. Zu stark war im Hinterkopf die Wette verankert. Die ganze Zeit waren die Augen auf den defensiven Mittelfeldspieler gerichtet: “Immer wenn er den Ball bekam, befahl ich ihm zu schießen.” Am Meisten machte sich der damals 42-Jährige Hoffnung, bei einem Ligaspiel zu gewinnen: “Ich hatte die Hoffnung, dass der gegnerische Torwart bei einem Pokalspiel rauskommen würde. Ich dachte, das wäre der richtige Zeitpunkt.”

Ein Traum wird wahr

Am 11. Januar 2006 spielte Liverpool im FA Cup gegen Luton Town. Es stand 4:3 für den 18-maligen Meister und Luton Town drängte auf den Ausgleich. In Folge dessen lief der gegnerische Torwart bei einer Ecke nach vorne. Adrian Hayward fieberte gleichzeitig am Bildschirm mit: “Ich sprang von meinem Stuhl auf und schrie: Der Torwart ist draußen, der Torwart ist draußen. Ich betete dafür, dass der Ball zu Xabi Alonso gespielt wird und er schießt.” Tatsächlich landete der Ball bei dem Mann mit der Nummer 14. Hayward weiter: “Mein Gesicht klebte am Bildschirm und dann schoss er.” Xabi Alonso überlegte nicht lange und schoss sogar mit seinem schwächeren linken auf das Tor. Es war abzusehen, dass der Ball seinen richtigen Weg finden wird.  Noch bevor der Ball über die Linie rollte, jubelten die Leute über das 5:3. Adrian Hayward konnte sein Glück kaum glauben. Er hatte es vorausgesagt. Er hatte darauf gewettet. Er hatte 25.000£ gewonnen. Das 5:3 und der Einzug in die nächste Runde gerieten zur Nebensache.

Den Gewinn hat Hayward in den Familienurlaub investiert. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, alle ebenfalls Liverpool Fans, wollten sie in der Karibik Urlaub machen. Mit einem Tor aus der eigenen Hälfte ein Karibik Urlaub mit der Familie zu finanzieren, das hat Stil. Das fand auch das Wettbüro Paddy Power und gratulierte wie ein fairer Verlierer: “Herzlichen Glückwunsch an Herrn Hayward. Es ist schön, wenn ungewöhnliche Wetten ausgezahlt werden. Das zeigt, dass Träume wahr werden können.”

Zu seiner Zukunft bezüglich des Wettens äußerte er sich folgend: “Ich wette ab und zu, aber so eine verrückte Wette werde ich wahrscheinlich nicht mehr abschließen.” Wer weiß, ob Hayward in einer Nacht anfängt zu träumen und die Idee nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Das ist so ungewiss, wie man bis heute nicht weiß, ob sich Hayward und Xabi Alonso gekannt haben. Klar dementiert hat es Hayward bis heute nicht. Der Familienvater sagte nur: “Das war kein verrückter Schuss ins Schwarze. Ich habe ihn ja letzte Saison das einige Male probieren sehen. Dass es diese Saison funktioniert hat ist sicherlich Glück, aber es war vorauszusehen.” Gekannt oder nicht gekannt. Es sei Adrian Hayward gegönnt. Auf jeden Fall gehört diese Geschichte zu einer der spektakulärsten Wetten im Fußball.

Bildnachweis: flickr.com ayman-md

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